Kurswechsel

Irgendwann muss man ja wieder die Kurve kriegen, und was eignet sich besser als ein Nordkap, an dem es ohnehin nicht weitergeht? Jedenfalls beschäftigen wir uns am oberen Ende der Äußeren Hebriden mit der Planung der verbleibenden Tage. Denn dank unserer muskelbewegten Fortbewegungsmittel dauert es eben auch ein wenig länger, den Weg nach Hause zurückzulegen. 

Zunächst wartet die Fähre von Stornoway nach Ullapool mit ihren Diensten auf, drei Stunden dauert die Überfahrt. Die 90 Kilometer nach Inverness strampeln wir aus eigenen Kräften, immerhin geht es ordentlich über den Berg (was die schon oft zitierte Regenmaid zu verhindern versucht). Von der größten Stadt der schottischen Highlands nehmen wir den Zug in die schottische Hauptstadt, für die wir uns einen Tag Zeit nehmen, denn Edinburgh wurde uns mehrfach als Müsst-ihr-machen-ist-doch-irre-schön ans kulturelle Herz gelegt. 

Ja, Edinburgh ist wirklich ausgesprochen schön. Hoch über der Stadt mit ihren Kneipen- und Flaniermeilen thront die mittelalterliche Burg, erbaut auf einem Vulkanfels. Hinauf führt die belebte Royal Mile mit ihren Patrizierhäusern und den unzähligen Cafés, Restaurants und Whisky-Läden. Kleine Plätze vor alten Kirchen, immer wieder abzweigende Gässchen und die steilen, eng bebauten Straßen versetzen den ehrfürchtigen Besucher in die Szenerie eines Mittelalter-Films. An jeder zweiten Ecke steht ein traditionell gekleideter Dudelsackspieler und liefert zum schottischen Ohrwurm den passenden Tinnitus gleich mit. 

Sicherlich kann sich der verehrte Leser aber denken, dass der Tag in Edinburgh das absolute Kontrastprogramm zum bisherigen Geschehen der Reise darstellt. Nach der Einsamkeit der schottischen Highlands fühlen wir uns inmitten tausender Menschen teilweise etwas fehl am Platz. Aber bei einer so touristisch bedeutsamen Stätte kann man nicht erwarten, allein auf weiter Flur zu sein. 

Den Ausgleich zum bunten Gewimmel finden wir am nächsten Tag, als uns unsere Fahrräder wieder durch die Gegend rollen. Wir bestreiten eine weitere Etappe nach Dunbar auf malerischer Strecke entlang der Ostküste und genießen die lang vermisste Sonne. Von dort geht es mit dem Zug nach Newcastle, wo uns schon die Fähre nach Amsterdam erwartet. Zwar haben wir noch Zeit, haben aber beschlossen, noch etwas in Holland weiterzufahren. Die Ziele im Süden Englands heben wir uns für nächstes Jahr auf. 

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