10-Loch-Parcours

Von der Dichte des Eisenbahnnetzes vor allem in Deutschland ist man hierzulande weit entfernt. Wenigstens rund um die Metropolen gibt es aber gut funktionierende Verbindungen, so gelingt uns der Sprung über die Großstadt Glasgow, von der wir lediglich den Bahnhof erleben. Wir fahren bis Alexandria am berühmten Loch Lomond und begeben uns auf eine 9-tägige Radtour auf der zum Nacional Cycle Network gehörenden Route Nummer 7. 

Aus der Erfahrung der ersten Tage wollen wir die einzelnen Etappen nicht zu lang werden lassen, vor allem weil das Fahren mit dem Gepäck in besonderer Weise unsere Kräfte beansprucht. Erfreulich ist die Routenführung auf Fahrradwegen, die oft auf ehemaligen Bahntrassen verlaufen, oder auf wenig befahrenen Nebenstraßen. Anspruchsvoll ist das ewige Auf und Ab entlang der unzähligen Lochs, wie hierzulande die Seen heißen. Insgesamt 10 größere Seen tangiert unser Parcours, unter anderem sind dies Loch Lomond, Loch Venachar, Loch Lubnaig, Loch Earn, Loch Tay, Loch Faskally und Loch Ericht, stets flankiert von hohen Bergen. Die Weite der Landschaften ist beeindruckend, es fällt schwer, sich auf die besten Bilder zu begrenzen. 

Mittendrin immer wieder Schlösser und Landsitze, manche nur noch als Ruinen. Steinkreise und geheimnisvolle Steinberge sind Hinterlassenschaften der einstigen Bewohner, die vor 4000 Jahren hier gelebt haben. Andere Radler sind eher selten, meist sind die einzigen Lebewesen, denen wir begegnen, die lustigen Schafe auf ihren saftigen Weiden – ihr Blöken interpretieren wir als hochachtungsvollen Gruß. 

Die tägliche Herausforderung, mit unseren Bio-Bikes (mit Schweißantrieb) immer weiter hinauf in die Highlands zu strampeln, wird belohnt von faszinierenden Ausblicken, romantischen Landschaften und selbstverständlich von hurtigen Talfahrten. Wir spüren die Verbundenheit mit der Natur und müssen uns ihr auch beugen, indem wir einen verregneten Tag im Hotel überbrücken. Ansonsten finden wir immer einen kleinen Platz für unser Zelt, mitunter auch abseits der Campingplätze. Denn auch in den Nationalparks ist wildes Kampieren erlaubt – und diese Orte zählen zu den schönsten. 

Das Hochgefühl am Ende des Tages, das sich in der Rückschau auf das Erlebte und Vollbrachte einstellt, macht zufrieden und motiviert gleichzeitig für den nächsten Tag. Am Ende dieser Mehrtagestour können wir stolz auf eine zurückgelegte Entfernung von 330 Kilometern und aufwärts gefahrenen 3300 Höhenmetern sein. Dabei passieren wir auch den höchsten Punkt des britischen Radwegenetzes, das ist der Drumochter Summit auf 460 m. 

Neun Tage nach unserer Abfahrt von Alexandria erreichen wir Inverness, die Hauptstadt der schottischen Highlands. Die Stadt wirkt auf uns wie eine lose Ansammlung unzähliger Bars und Cafés, hoch oben wacht Fort Inverness. Logisch, dass wir uns nun eine Pause gönnen. In ländlicher Umgebung wollen wir drei Tage die Beine hochlegen und mal wieder in einem richtigen Bett schlafen. Aber genug haben wir noch lange nicht, die nächste Tour entlang des Loch Ness ist schon in Planung. 

Wetterbericht: Die vorherrschende Wetterlage beschert uns einen Mix aus Sonne und Wolken bei angenehmen Temperaturen. Nur an zwei Tagen regnet es zu viel, aber davon verbringen wir einen im Trockenen. Unsere Regenkleidung muss aber griffbereit sein, denn mitunter schüttet der Himmel seine Vorräte für wenige Minuten über uns aus. 

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