Schneckentempo

Dem Aufmerksamen wird nicht entgangen sein, dass zwischen La Paz und Rurrenabaque etliche Kilometer liegen, über die wir noch gar nichts verlauten ließen. Das wollen wir gerne hiermit nachholen, denn die mehr als 400 Kilometer bis in die Tiefebene sind einen Beitrag wert, zumal wir ja die gleiche Strecke auch wieder zurück mussten.

Will man von La Paz gen Nordosten fahren, muss man zunächst die äußeren Ausläufer Cordillera Real überwinden, deren Sechstausender eindrucksvoll herüberwinken. Der höchste Pass liegt bei 4670 m, bis dahin hat ein Gefährt wie das unsere einiges zu schnaufen. Von dort geht es mehr oder minder stetig bergab, zunächst in eindrucksvollen Serpentinen hinunter in die Yungas. Hier sind die Täler besonders steil und der Reisende ist voller Ehrfurcht vor der Kunst, in diesem Gelände Straßen zu bauen. Erst vor wenigen Jahren wurde der gefährlichste Abschnitt dank einiger Brücken und Tunnel großräumig umgangen. Die heute nur noch von waghalsigen Fahrradfahrern benutzte »Death Road« galt bis dahin als gefährlichste Straße der Welt. Ihren Spitznamen hat die Strecke allerdings wegen der vielen Opfer unter den peruanischen Zwangsarbeitern, die die Straße einst erbauten. 

Später windet sich die Straße durch die Täler des Río Coroíco und Río Beni. Zwar ist der Ausbau der immerhin als Nationalstraße deklarierten Route weit fortgeschritten, jedoch macht den Erbauern das schwierige Gelände an den Steilhängen zu schaffen. Erst sprengen und fräsen die Menschen Terrassen für die Piste in den Hang, dann macht dieser mit einem kühnen Erdrutsch wieder alles futsch. Daher wähnt man sich abschnittsweise eher auf einem Feldweg als auf einer Fernstraße, auf dem einem dann auch noch größere Fahrzeuge entgegen kommen. Und da Erdrutsche offensichtlich öfters vorkommen sind die Baggerführer mehr mit Schadensbegrenzung als dem Neubau beschäftigt. Selbst in den Abschnitten, die asphaltiert sind, ist man vor Verwerfungen und Schlaglöchern nicht sicher, denn aus Gründen der Sparsamkeit ist die Asphaltdecke sehr dünn aufgetragen und kann dem Gewicht der LKWs auf lange Sicht nicht standhalten. Und so ist man gefühlt alle 300 Meter damit beschäftigt, Hindernissen, Schlaglöchern, Fahrbahnverwerfungen oder Bruchkanten auszuweichen. Zum schnellen Fahren verleitet die kurvenreiche Strecke, die sich an Schwindel erregenden Abgründen entlang windet, ohnehin nicht. 

Aber die einzigartige Natur und die abwechslungsreichen Landschaften entschädigen für alle Mühsal. Die Vielfalt der Bergwelt reicht vom schneebedeckten Gipfel über schroffe, unbewachsene Berghänge bis hin zu üppig grünen Abhängen, an deren Sonnenseite Coca oder Bananen gedeihen. Einfache Hütten am Wegesrand, strohgedeckt, zeugen vom einfachen Leben der Bewohner. In den Ortschaften, mitunter Adlerhorsten gleich über tiefen Flusstälern gebaut, geht es eng zu. So schaffen wir es leicht, mit Hägar alles zu verstopfen. 

Und so waren wir mal wieder zwei mal drei Tage unterwegs, um an unsere Ziele zu gelangen. Auch wenn wir auf der gesamten Reise ohnehin sehr langsam vorangekommen sind, glich unser Hägar diesmal eher einer Schnecke (wenn auch unfreiwillig). 

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